Stadt Sterzing - Historische Gebäude

Pfarrkirche zu "Unserer Lieben Frau im Moos"

pfarrkirche-sterzing

Monumentale spätgotische Kirche vor den Toren Sterzings

Etwas südlich der historischen Altstadt von Sterzing erhebt sich die Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau im Moos“ – eines der bedeutendsten sakralen Bauwerke Südtirols und zugleich eine der größten spätgotischen Hallenkirchen des Alpenraums. Bereits ihre außergewöhnlichen Ausmaße zeigen, welchen Wohlstand und welche Bedeutung Sterzing zur Blütezeit des Handels im späten Mittelalter besaß.

Die Kirche entstand außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern neben dem ehemaligen Deutschhaus des Deutschen Ordens. Von hier aus wurden über Jahrhunderte hinweg Pilger, Kranke und Reisende betreut, die entlang der wichtigen Brennerroute unterwegs waren. Der Standort verweist damit auf die zentrale Rolle Sterzings als Handels- und Verkehrsknotenpunkt zwischen Nord und Süd.

Der Bau der heutigen Kirche erfolgte in mehreren Etappen. Der Chorraum entstand bereits im frühen 15. Jahrhundert, während mit dem Bau des mächtigen dreischiffigen Langhauses im Jahr 1497 begonnen wurde. Der Überlieferung nach nahm Kaiser Maximilian I. persönlich an der Grundsteinlegung teil – ein Zeichen für die besondere Bedeutung der Stadt innerhalb Tirols. Bis ins frühe 16. Jahrhundert entstand hier eine monumentale Hallenkirche von beeindruckender Größe und architektonischer Klarheit.

Besonders eindrucksvoll wirkt der helle und weit gespannte Innenraum. Hohe Gewölbe ruhen auf mächtigen Marmorsäulen und verleihen der Kirche eine feierliche Ruhe und Harmonie. Die spätgotische Architektur verbindet Monumentalität mit bemerkenswerter Eleganz und zählt zu den bedeutendsten Leistungen der Tiroler Baukunst jener Zeit.

Zu den größten Kunstschätzen der Kirche gehört der berühmte Multscher-Altar des Ulmer Meisters Hans Multscher, geschaffen zwischen 1456 und 1459. Dieses Werk zählt zu den bedeutendsten Kunstwerken des süddeutsch-tirolerischen Raumes und markiert den Übergang von der mittelalterlichen Kunst zur frühen Renaissance. Große Teile des ursprünglichen Altars befinden sich heute im benachbarten Stadt- und Multschermuseum im Deutschhaus.

Auch spätere Jahrhunderte hinterließen ihre Spuren im Gotteshaus. Im 18. Jahrhundert erhielt die Kirche barocke Gewölbefresken, die dem streng gotischen Raum zusätzliche Wärme und festliche Pracht verleihen. Kunstvolle Altäre, Grabdenkmäler und zahlreiche Details erinnern bis heute an die reiche religiöse und kulturelle Geschichte Sterzings.

Die Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau im Moos“ ist damit weit mehr als nur ein religiöses Bauwerk. Sie erzählt von der Blütezeit der Stadt, von Handel und Pilgerwesen entlang des Brenners, vom Einfluss Kaiser Maximilians I. und von der hohen Kunstfertigkeit spätgotischer Baumeister und Künstler. Bis heute prägt sie als eines der wichtigsten Wahrzeichen das historische Bild Sterzings.