Stadt Sterzing - Historische Gebäude

Deutschhaus

deutschhaus-sterzing-vipiteno

Hospiz, Ordenssitz und kulturelles Zentrum Sterzings

Unmittelbar neben der Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau im Moos“ befindet sich das Deutschhaus des Deutschen Ordens – eine der geschichtsträchtigsten Anlagen Sterzings. Über Jahrhunderte hinweg war das Gebäude Hospiz, Ordenssitz, Krankenhaus und später kulturelles Zentrum der Stadt. Bis heute erzählt das weitläufige Bauensemble von der bedeutenden Rolle Sterzings entlang der alten Brennerroute.

Bereits im Jahr 1241 bestand an dieser Stelle ein Hospiz zur Betreuung von Pilgern, Reisenden und Kranken. 1254 wurde die Anlage dem Deutschen Orden übertragen, der hier eine sogenannte Kommende errichtete – einen regionalen Verwaltungssitz des Ordens. Der Deutsche Orden spielte entlang wichtiger Handels- und Pilgerwege eine bedeutende soziale und religiöse Rolle und sorgte für Unterkunft, Versorgung und Schutz der Reisenden.

Die verschiedenen Gebäudeteile des Deutschhauses entstanden über mehrere Jahrhunderte hinweg. Der Kern des Ostflügels reicht bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Im 14. Jahrhundert kamen der markante Südturm und weitere Erweiterungen hinzu. Während der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhielt die Anlage ihre spätgotische Gestalt mit den charakteristischen Treppengiebeln und Innenhöfen. Im 18. Jahrhundert wurde das Gebäude schließlich teilweise barock umgestaltet und erhielt neue Fassaden.

Zwischen 1821 und 1884 befand sich das Deutschhaus im Besitz der Grafen von Thurn und Taxis. Anschließend diente die Anlage über nahezu ein Jahrhundert hinweg als Stadtspital und später als Bezirkskrankenhaus. Damit blieb das Gebäude seinem ursprünglichen Zweck als Ort der Fürsorge und Betreuung über viele Jahrhunderte treu.

Heute beherbergt das sorgfältig restaurierte Deutschhaus mehrere bedeutende kulturelle Einrichtungen der Stadt, darunter die Musikschule, die Bürgerkapelle sowie das Stadt- und Multschermuseum.

Besonders bedeutend ist das Multschermuseum, das sich in den historischen Räumen des Deutschhauses befindet. Es widmet sich dem berühmten spätgotischen Künstler Hans Multscher und bewahrt die erhaltenen Teile des zwischen 1456 und 1459 geschaffenen Multscher-Altars der Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau im Moos“. Der Altar gilt als eines der bedeutendsten Kunstwerke der Spätgotik im süddeutschen Raum und markiert den Übergang von der mittelalterlichen Kunst zur frühen Renaissance. Die ausdrucksstarken Figuren und fein gearbeiteten Altartafeln vermitteln bis heute eindrucksvoll die hohe Kunstfertigkeit jener Zeit.

Neben dem Multscher-Altar zeigt das Museum zahlreiche weitere Zeugnisse der Sterzinger Stadtgeschichte, sakrale Kunstwerke sowie Objekte aus der Zeit des Bergbaus und Handels. Dadurch verbindet das Deutschhaus auf einzigartige Weise religiöse Geschichte, Kunst, Fürsorge und städtische Kultur.

Das Deutschhaus des Deutschen Ordens zählt heute zu den wichtigsten historischen Bauwerken Sterzings. Seine Mauern erzählen von mittelalterlichen Pilgern, vom Wirken des Deutschen Ordens, von Krankheit und Heilung, von Kunst und Kultur – und von der jahrhundertelangen Bedeutung Sterzings als Brücke zwischen Nord und Süd Europas.