Stadt Sterzing - Historische Gebäude

Stadt- und Landgerichtshaus

Vom Gewerkenhaus zum Sitz von Gericht und Verwaltung

Mitten in der historischen Altstadt von Sterzing befindet sich das Stadt- und Landgerichtshaus – ein Gebäude, das über Jahrhunderte hinweg eng mit der politischen und rechtlichen Geschichte der Stadt verbunden war. Hinter den Mauern des spätgotischen Hauses spiegeln sich Wohlstand, Verwaltung und Gerichtsbarkeit einer bedeutenden Tiroler Handelsstadt wider.

Ursprünglich befand sich das Gebäude ab etwa 1450 im Besitz der Kaufmann-Familie, einer wohlhabenden Gewerkenfamilie, die ihren Reichtum dem Bergbau verdankte. In jener Zeit erlebte Sterzing durch den Silberbergbau im Ridnaun- und Pflerschtal eine wirtschaftliche Blüte. Zahlreiche wohlhabende Familien ließen prächtige Bürger- und Handelshäuser errichten, die bis heute das Stadtbild prägen.

Im Jahr 1589 wurde das Gebäude von Erzherzog Ferdinand II. als Gerichtshaus erworben. Damit erhielt das Haus eine zentrale Funktion innerhalb der Verwaltung Tirols. Hier wurden über Jahrhunderte hinweg Rechtsangelegenheiten behandelt und Entscheidungen getroffen, die weit über die Stadt hinaus Bedeutung hatten.

Als 1744 auch das Gericht Straßberg-Sterzing von der Freiherrenfamilie von Sternbach übernommen wurde, entwickelte sich das Gebäude endgültig zum bedeutenden Verwaltungs- und Gerichtszentrum des oberen Wipptals. Neben den Amtsräumen des Richters befanden sich im Haus auch eine Kapelle sowie das Gefängnis – ein eindrucksvoller Hinweis darauf, wie eng Verwaltung, Rechtsprechung und Alltag damals miteinander verbunden waren.

Architektonisch gehört das Gebäude zu den typischen spätgotischen Bürgerhäusern Sterzings. Die massiven Mauern, die historischen Fensterformen und die schlichte, zugleich repräsentative Gestaltung erinnern an die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs der Fuggerstadt im 15. und 16. Jahrhundert. Noch heute vermittelt das Haus den Charakter eines herrschaftlichen Amtssitzes.

Im Laufe der Zeit veränderte sich die Nutzung des Gebäudes mehrfach. Seit 1965 diente es zunächst als Sitz der Mittel- und Volksschule, bevor später verschiedene Gemeindeämter hier untergebracht wurden. Damit blieb das Haus bis heute ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens der Stadt.

Das Stadt- und Landgerichtshaus erzählt somit nicht nur von Recht und Verwaltung, sondern auch von der Entwicklung Sterzings selbst – von der reichen Bergbau- und Handelsstadt der Renaissance bis zur modernen Stadtgemeinde der Gegenwart.